In der Weimarer Republik

Die Chotzen-Brüder erleben in ihrer Nachbarschaft keine Diskriminierung oder Anfeindungen. Als die Nationalsozialisten an Einfluss gewinnen, wird Eppi politisch aktiv.

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Schon als sie ihren Eltern erklären, einander heiraten zu wollen, stoßen Elsa Arndt und Josef Chotzen auf den Widerstand ihrer Familien. Als Katholikin soll Elsa keinen Juden heiraten, der jüdische Josef keine Christin. Erst Jahre später willigen die Eltern ein. So kann die Trauung 1914, sieben Jahre nach der Geburt des ersten Sohnes Joseph - Eppi genannt - nachgeholt werden.

Vater Josef im Ersten Weltkrieg

Als im selben Jahr der Erste Weltkrieg ausbricht und Kaiser Wilhelm II. feierlich erklärt, er kenne keine Parteien mehr, sondern nur Deutsche, erhoffen sich davon viele die ersehnte volle Anerkennung der Juden.
Erich beim Staffellauf
Wie Tausende andere Juden dient Josef selbstverständlich als Soldat. Doch das Kriegsende enthüllt einen sogar noch verstärkten Antisemitismus. "Das Judentum" wird zum Sündenbock für den von vielen Deutschen als ungerecht empfundenen Friedensvertrag von Versailles erklärt, die Weimarer Republik wird als "Judenrepublik" abgelehnt.

Bekannt und beliebt

Die Familie Chotzen jedoch, so erinnert sich Eppi später, merkt im persönlichen Umfeld nichts von Feindseligkeit oder Abneigung. Die Eltern führen ein Wäschegeschäft und sind bekannt und beliebt in der Nachbarschaft "ihrer" Johannisberger Straße im damals beschaulichen Berlin-Wilmersdorf. Die Söhne verbringen die meiste Zeit in ihrem Sportverein, spielen Hockey und Fußball oder trainieren sich in Leichtathletik.

Eppi und die Politik

Während die jüngeren Brüder noch in ihrem Kiez spielen, beginnt der Älteste, Eppi, 1924 in Gera eine Lehre zum Textilkaufmann. Als politisch interessierter, kritischer Jugendlicher will er die gesellschaftlichen Verhältnisse erkennen und verändern. Dazu tritt er dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold bei, einem überparteilichen Bündnis, das die Republik gegen sich radikalisierende Kampfbünde beider Seiten schützen soll.
Eppi um 1925
Allerdings mangelt es Eppi dort an direkter Aktion. Nach dem Ende seiner Ausbildung zurück in Berlin, tritt er der Revolutionären Gewerkschafts-Opposition RVO bei. Auch in der Kommunistischen Partei wird er Mitglied. Aber Eppis Hoffnung, angesichts der drohenden Zerschlagung der Republik durch den Nationalsozialismus könnten sich alle linken Gruppierungen einigen und gemeinsam aktiv werden, wird enttäuscht. Tatenlos muss er zusehen, wie paramilitärische Einheiten der Rechten immer gewalttätiger gegen Andersdenkende vorgehen und sich der Antisemitismus immer offener verbreitet - bis schließlich im Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wird und die systematische Verfolgung von Juden und anderen Minderheiten beginnt.